Nachrichten sind und bleiben hinterher geschobene Versatzstücke des Geschehens, so gewollt und absichtsvoll das Geschehen auch gewesen sein mag. Umso erfrischender ist eine Nachricht, deren Gehalt dem Erwarteten so wenig entspricht, wie das Wochenende des 6ten Palastwerfens in Potsdam. Die Rahmenbedingung immerhin blieb erhalten, das fröhliche Frisbeespiel.
Wir waren eine recht neue Dresdener Mannschaft, lauter unerfahrenes Volk oder doch wenigstens mit wenigen Einträgen im diesjährigen, virtuellen Trainingsregister. Daher - schraub, schraub, die Erwartungen niedrig halten. Hinzu kommt, dass der Wetterbericht sagt, dass der Regen gelegentlich von einigen Gewittern unterbrochen werden mag. Daher wollen wir mal lieber die Sonnencreme daheim lassen und uns mit Stimmungsdrogen gegen die klimatische Ungemach wappnen.
Aber zunächst scheint noch mal kurz die Sonne. Unsere nordrheinwestfälische Stammesgöttin, deren Name 1990 auf Platz 81 der ewigen Namensbestenliste auftaucht, gibt ein Fest zu Ehren unserer und ihrer Abfahrt aus Dresden, so dass abgesehen von den Fahrern die Passagiere, die einmal Potsdam komplett gebucht haben, schon mächtig vorgeglüht haben.
In Potsdam angekommen sind all lights low und auch das Lagerfeuer auf Hermannswerder wird von einer kurzen Husche ausgepustet. Die Zelte stehen zum Glück schon und so träumen wir einem schönen Turnier entgegen.
Am nächsten Morgen stehen wir bei einem in Deutschland eher ungewohnten Gaststättenfrühstück Schlange. Danach geht es los. Unser Vierer-Pool hält Discmark, die Goldfingers und die Airpussies bereit. Eine schöne Szene war, als nach einem Time-(und wohl auch einem Black-)Out der Gastgeber Nadine zu Nina meinte, sie solle an Callahan denken. Eine Frau eine Tat.
Die Spiele gehen für uns unerwartet klar zu unsern Gunsten aus. Zwischen den eigenen Spielen vergnügen wir uns entweder beim Pick-Up oder bei den Leipziger Junioren, jeder nach seinen Wünschen.
Nach dem Morgenpool gibt es ein neues System, mehr Wolken und Wind. Das System ist ein Schweizer System, nach jeder Runde wird die aktuelle Reihenfolge quer über alle Pools ermittelt und dann spielen Nachbarn in der Tabelle nebeneinander. Dieser Modus wird am Sonntag zu einem eigenartigen Effekt führen aber wir wollen mal eins nach dem anderen erzählen. Am Samstag haben wir noch ein sehr spannendes Spiel gegen Yeehaw zu bestehen. Wir sind recht glücklich, dass als nach 40min der letzte Punkt eingeläutet wird, bereits ein Zweipunktvorsprung für uns besteht. Unter der Dusche gibt es Sekt Rose und viele freudige Gesichter.
Am Abend in der Stadt nach dem Essen ereilt uns dann endlich die angesagte Schlechtwetterfront. So lässt sich das aber verknusen. Wir fliehen ins Archiv, was kein Aufbewahrungsort für in die Jahre gekommene Frisbeespieler ist, aber doch irgendwie eine Zeitmaschine. Wenigstens ich fühle mich in die Hausbesetzerzeit in Halle zurück versetzt. So rauchig kannten wir es auch nicht mehr, seit die Brüssler uns die Nebelmaschinen verboten. Hier aber lief sie auf Hochtouren und wir ebenso. Der Partypreis den Dresdner Spitzentänzern Ulle, Anne und Schnuffelmaus Brimel.
Nach wenig Schlaf und entsprechend langem Aufenthalt in der Schminke treten wir am Sonntagmorgen wieder vor die Kameras. Es läuft der Film Dresden gegen Juniors Rostock. Wir beginnen gegen die gefürchtet guten Youngstars mit einer Zone und trotzdem das nicht unmittelbar punkten hilft, werden wir doch nicht überrannt. Nach dem 1:1 ist erstmal Schluss mit den Endzonenerfolgen, der dritte Punkt ist eine Geduldsprobe für alle, die draußen stehen müssen. Das Spiel leidet ein wenig unter dem Wind, oder besser unter unseren verweht-verwegenen Pässen, doch letzten Endes finden wir das Spiel eigentlich ganz gut, auch weil es gegen unsere Erwartung gelingt, es mit 4:3 für uns zu entscheiden.
Plötzlich erscheinen wir als Favoriten oder sind zumindest Spitzenreiter in der Tabelle. Mit dieser Rolle kommen wir einfach nicht klar. Gegen die DJs aus Dahlem und deren dämliche Dauerzone fehlt uns leider jedes Rezept und wohl auch das Können, so dass das nächste Spiel mit 3:9 ausgeht. Es wäre sicher weit gefehlt zu behaupten, dass die vorweggenommene Beobachtung, dass wir wohl so oder so ins Finale kämen, zu diesem Resultat führte. Aber es ist immer ein gewisser Vorteil, den Final-Gegner in Sicherheit zu wiegen, der eben wieder dieselben DJs sind. So kamen wir auf der Ziellinie, dass heißt im Finale am Sonntag Nachmittag, dem Turniersieg zwischenzeitlich sehr nahe.
Fürs Finale hatten wir uns einige wenige Vorhaben für die unbequeme Defence (oder soll man sagen „the fence“?) ausgedacht und konnten das auch ganz gut umsetzen. Die Scheibe lief sehr gut durch die meist in Bewegung befindliche Defence der Berliner. Außerdem gelangen uns einige schöne Aktionen in unserer eigenen Verteidigung. Mehrfach seufzte das Publikum mit uns über Fast-100-Prozentige, die wir nicht in den Händen behielten. Trotzdem stand es zwischenzeitlich mal 6:5 für uns. Das war der Punkt, wo das Glück insbesondere für Joachim fast perfekt war, der sein letztes Spiel mit Drehst’n Deckel bestritt. Weil das Spiel so schön war, tat es am Ende auch nicht weh, dass wir in dem spannungsreichen Finale noch den Kürzeren zogen.
Dresden waren: Anne, Brimel-Schnuffel, Matti, Ralfman, Nadine, TWP, Funtomas, Nina, Anja, Joachim, Ulle, Carsten
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