Drehst'n Deckel e.V. - Ultimate Frisbee in Dresden

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Mückencup in Magdeburg während der BRN Juni 2007

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Derweil die Neustadt sich auf die Feier ihrer Dreifaltigkeit vorbereitete, Bunt soll sie sein, revolutionär-republikanisch und neustädtisch, machten sich einige wenige Versprengte auf, die polizeilich-grün gesäumten Strassen zu fliehen, und elbabwärts in Magdeburg ihre Zelte aufzuschlagen. Der Elbauenpark zieht alle Jahre wieder insbesondere die alten und stetig älter werdenden Hasen an, ihn zum Zwecke bunten Frisbeespiels zu bevölkern.

Normalerweise ist die Fahrt nach Magdeburg ein Grund gewesen, sich für die Dauer eines Turniers einen anderen Namen zu geben: Rotwein Dresden. Über Andreas’ Gitarrespiel vergaß man in den vergangenen Jahren leicht die Zeit und die Erdenschwere ob vergorner Beere. Dieses Jahr hatte Andreas sich leider mit seinem Umzug leicht verplant und schleppte Möbel anstatt die Gitarre.
Also kein Gesang und nur wenige Quantile Beerensaft, trüben Gesichts. Das Zurufen einzelner Liedtitel (77) hat eben nicht dieselbe aufheiternde Wirkung wie ihre sachgerechte Intonation. Immerhin sind die Weine so gut wie nie zuvor.
Erste Planungen entstehen, wie wir mit unseren paar Leuten die beiden Turniere abdecken wollen, zu denen wir uns angemeldet haben. Zwei? Die Schleudertraumaten haben einen neuen Traum. Sie wollen neben dem ordinären Ultimate-Turnier mit einer neuen Sportart Sport-Geschichte schreiben: Goaltimate.
Goaltimate findet sich in Wikipedia nur unter den gelöschten Artikeln, man scheint sich also noch nicht recht klar darüber zu sein, ob die Geschichte das Goaltimate nicht gleich wieder zurück in den Sand der Zeit zurücktreten möchte. Die Regeln wollen wir erstmal noch nicht lernen, dazu ist morgen noch Zeit. Immerhin hat unser australischer Legionär Wazza Ey Sheppi Clapham Kriegsdocht das Spiel schon mal gespielt. Da kann ja kaum noch was schief gehen.
In Leipzig auf dem Bahnhof geht Nina noch mal kurz telefonieren. Die Abfahrtszeit rück heran und der Zug am Nebengleis herein. Wir setzen uns schon mal in den Zug und sehen nach Nina. Nun, sie ist noch nicht da. Da vorn die Bahnhofsuhr zeigt noch 5min. Ein erster Anruf bei Nina bringt ein Besetztzeichen, das sich auch Minuten später reproduzieren lässt. Nun, abgesehen von ihrem Telefon haben wir alle ihre Sachen. Eine SMS an Nina: Bahnsteig 16. Keine Reaktion. Nur der Bahnhofssprecher verkündet die Abfahrt des Zuges. Ein beherztes Einschreiten in die Türöffnung. Noch ein Anruf bei Nina. Dieses Mal ist sie dran: Nina, Bahnsteig 16 renn. Da kommt sie um die Ecke gebogen. Die Zugtür schnauft ungemütlich angesichts der vielfach misslungenen Schließversuche. Als der Zug losfährt, entschuldigt sich der Zugführer, dass wegen einer blockierten Tür der Zug einige Minuten Verspätung hat. N nimmt (ohne Schuld) Einfluss auf das Weltgeschehen.
Das Thema wird nicht tabuisiert übers Wochenende. Jedes Mal, wenn N wieder außer Sicht ist, heißt es, ach, die telefoniert. Tabuisiert wird aber im Fahrgastraum nach Magdeburg. Zuerst zerbröselt sich TWP über seine Spielkameraden, denen er eine Unterkiefer aufzumalen versucht, ohne Erfolg. Mehr Erfolg hat Wazza mit einem aus der Not des Missverstehens geborenen Ansatz. Er erklärt uns den Baum-Engel: daraus besteht ein Wald und die kommen in den Himmel. Sofort ein Treffer. Allein – was das sein soll – ein Baumengel wird nur der Legastheniker auf Anhieb wissen.
Wir kommen gegen Mitternacht am Zeltplatz an, der nur durch einen Damm von den Spielplätzen getrennt ist. Aber psst, kein Lärm, denn vom Dammwild trennt nur ein Zaun. Mit uns kommt der Regen. Dieser zieht binnen einer Minute die Schleusen so auf, dass die Sachen bald durch sind. Unter anderem auch Christians Zelt. Dadurch kommt es last minute zu einigen Umbuchungen bei den Ein- und Zweibettzimmern. Die Nacht bleibt tropfnass und es bleibt ungewiss, ob die Plätze am nächsten Morgen bespielbar sein werden.
Was soll zum Samstag gesagt werden? Wir haben 6 Spiele Ultimate und 2 oder 3 Spiele Goaltimate. Es gibt leckeres Essen. Die Spiele sind nicht immer so interessant. Manchmal spielen wir gut, manchmal nicht so gut. Immer ist der Abstand sehr komfortabel. Am prekärsten wird es bei einem 1:3 Rückstand gegen die DJs. Doch dann kommt die Sonne wieder raus und wir dürfen uns noch über ein 10:4 freuen. Am Abend freuen wir uns alle auf etwas Leckeres zu essen. Es ist schon viel Zeit zum Spielen in Magdeburg, so dass mir auch einigermaßen der Rücken weh tut.
Die Party geht mich dieses Mal nichts an. Sie steht aber ganz klar auf dem Fahrplan zum Triple win: Ultimate, Goaltimate, Partymate. Darum höre ich nach Sonnenaufgang noch immer Musik über den Wall schwappen. Ich denke an die armen Viecher im Dammwildgehege und schlafe wieder ein.
Um 8 ist es allerdings bereits unerträglich warm im Zelt. Also Frühstück und dann hinüber zur Sommerrodelbahn. Die Moral des ersten Durchgangs ist, fahre nie hinter den Mädchen denn die können den Bremshebel nur in einer Richtung bewegen. Bei der zweiten Abfahrt ist es deutlich schneller. Easy Rider, don’t you call my name.
Am Sonntag haben wir nur zwei richtige Frisbeespiele und zwei Goaltimate. Es ist schnell klar, dass wir in beiden Finals stehen werden.
Beim Goaltimate-Finale stehen wir im Wettbewerb gegen die Airpussies. Nachdem wir einmal die etwas Nerven-bewegten ersten Minuten überstanden haben, lassen wir uns mit einer reifen Taktik auch uns eigene Genialität glauben. Dresden-Deckel ist erster inoffizieller Deutscher Meister im Goaltimate.
Nach einer kurzen Pause ziehen wir auf Platz eins um, auf dem wir das gesamte Wochenende nicht gespielt haben. Der Wind ist hier deutlich stärker verspürbar. Das Finale geht gegen die Endzonis, die jedoch nur auf einen verhältnismäßig geringen Personalstand zurückgreifen können. Mit viel Können fordert uns das Rostocker Dreigespann einiges ab. Es wir mit Abstand das knappste Spiel (9:6) des Wochenendes.


Eine weitere (Denk)-Sportaufgabe diente noch dem geistigen Ausgleich: Verwende alle Vokale der Reihe nach in einem entweder schönen oder doch wenigstens möglichst kurzen Wort!

Vorwärts: Abseitstorschuß

Rückwärts: unoriental Haiku:

 

Dem Ultimate
An Vokalen fehlt ein O
Drum Gold wir errannt



Auf Wiedersehen in Rostock!
Carsten Walther
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. Juli 2007 um 01:36 Uhr